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Allgemeine Infos zum Tanimbar-Python (Morelia nauta) [Harvey, Barker, Ammerman & Chippindale, 2000]

Haltungs-Anspruch: Halter mit Erfahrungen

Schutzstatus: WA II/ Anhang B, melde- und nachweispflichtig
(Herkunftsnachweis nötig)

Herkunft: Ausschließlich auf den Tanimbar-Inseln vorkommend, die zu Süd-Molukken gehörend, als eine kleine Inselgruppe zwischen Ost-Timor und Aru liegen. Die Hauptinsel Yamdena hat mit einer Fläche von ca. 2.600 qkm damit ungefähr die Größe
des Saarlands.
  Diese Inseln bestehen größtenteils aus Regionen mit Regenwäldern, aber auch aus Busch- und Baumgürteln.
In diesen Busch- und Baumgürteln kommt hauptsächlich diese Art vor. Dazu aber später mehr (siehe Größe und Erscheinung). Der örtliche Regenwald auf Yamdena ist durch intensive Rodung schon seit längerem gefährdet.

Habitat:


Größe &
Erscheinung:
Klick hier für Klimawerte

Phäno- und genotypisch ist M. nauta nah mit M. amethistina verwandt. Der Name "nauta" stammt vom lateinischen Wort für "Seemann", da diese Art die Inseln nur über das Meer erreicht haben kann. (Quelle reptile-database)
Morelia nauta
gehört mit einer Länge von 150 bis 200 cm sicherlich nicht mehr zu den kleinbleibenden Pythons und wirkt - verstärkt durch den etwas schmalen, schlanken Körperbau - zierlich und dünn, besonders z. B. im Vergleich zu einem beliebigen Teppichpython gleicher Größe.
Da der Tanimbar-Python sowieso wie der grüne Baumpython (Morelia viridis) ein echter Baumpython ist (er ersetzt in seinem Habitat genau die Lücken von Morelia viridis auf den angrenzenden Inseln), sollte Morelia nauta daher auch eher mit dem grünem Baumpython und nicht mit einem Teppichpython verglichen werden.
Der Tanimbar-Python hat einen gleichmäßig spitz zulaufenden Kopf, der sich stark vom Hals absetzt und mit großen Kopfschuppen versehen ist. Die Zähne sind ähnlich lang wie die beim grünen Baumpython.
Hervorstechend sind die großen Kopfschilde, ähnlich die beim Amethystpython.

In der Natur kommen zwei Grundfärbungen vor, "silbern" (was von einem leichtem Silber bis zu dunklem Grau-Braun reichen kann) und "golden". Die Färbung des ausgewachsenen Tanimbar-Pythons reicht also von einem dunklem Grau bis hin zum leuchtenden Orange-Braun, was einem im Sonnenlicht eher wie Gold vorkommt. Zu jeweils beiden Erscheinungen gibt es musterungslose Tiere (patternless) oder gemusterte Tiere (patterned).
Die ursprüngliche Form sind die golden-gemusterten Tiere, die anderen Phänotypen traten erst später auf. Heutzutage werden komischerweise aber mehr silbrig-musterlose (silver-patternless) Tiere gesichtet, was auf eine recht schnelle Anpassung auf Änderungen im Habitat deutet, denn die Wälder werden sehr stark gerodet und das Habitat immer mehr verändert. Goldene Tiere sind in den Bäumen schlechter auszumachen, silbrige Tiere dagegen sind optisch am Boden besser geschützt (pers. Mitteilung Nick Mutton 2007)
Anscheinend sind alle Tiere heterozygot für die jeweils andere Farbe als auch Musterung. Denn jedes gefangene Tier war laut Zuchtergebnissen immer heterozygot für die andere Farbe und die andere Musterung. (pers. Mitteilung Nick Mutton 2007), so daß man in der Theorie aus einem Pärchen "silver-patternless" auch "goldend-patterned" züchten könnte. Zusammenfassend gesagt gibt es also vier natürlich-vorkommende Phänotypen: golden (xanthic) patternless, golden (xanthic) patterned, silver (axanthic) patternless, silver (axanthic) patterned.
Alle Varianten haben einen weißen, zeichnungslosen Bauch.

Als Jungtiere sind diese in den ersten drei-sechs Monaten mehr oder minder alle bräunlich, wobei der Farbton von hellbraun bis dunkelbraun reichen kann. In dieser Zeit ist es kaum möglich vorherzusagen, ob die Tiere nun später gold oder silber erscheinen werden. Hellbraune Tiere können silber werden, dunklere Tiere goldfarbig und genau anders herum. Lediglich die musterlosen oder gemusterten Tiere sind zu erkennen.

Charakter:

Unseren ersten Erfahrungen beruhten auf das Handling von Wildfängen.
Hier müssen wir ganz klar zwischen den Geschlechtern trennen, denn die Weibchen - besonders die juvenilen - sind alles andere als ruhig. Umgangssprachlich sind es ausdauernde, beißende und hackende Luder.
Noch während der Übergabe biss mich das juvenile Weibchen - gerade aus dem Stoffsack geholt - mehrere Male, indem es wild um sich schnappte. In diesem Alter sind die Zähne noch klein und ungefährlich, die Bissspuren jedoch tiefer, als bei vergleichsweise anderen Morelia spilota-Unterarten.

Die Männchen waren absolut leicht zu handeln und immer ausgeglichen.
Das semi-adulte Weibchen war anfangs eine Mischung zwischen "komm her, ich will dich fressen!" und "mir doch egal".
Entweder absolut desinteressiert oder so angespannt, dass sie selbst 15 Minuten nach Verlassen des Raumes immer noch in der typischen S-Stellung an der Terrarienfront verharrte.

Man muss aber in der Zusammenfassung sagen, dass diese Art nichts für Einsteiger der dem "typischen" Kornnatterhalter oder Königspythonhalter ist. Man sollte zumindest schon Erfahrungen mit Teppichpythons, Baumpythons oder ähnlich "schwierigen" Tieren gemacht haben. Gerade weil das juvenile Verhalten ein recht schwieriges ist; und keiner wird in der nächsten Zeit so leicht adulte Tiere in Deutschland erwerben können!

Im Gegensatz zu anderen Berichten zu dieser Art - welche den Tanimbar-Python als friedlich und defensiv beschreiben - können wir diese Charaktereigenschaft nicht durchgehend an diesen Tieren erkennen. Das mag aber vielleicht auch daran liegen, dass wir ausschließlich Wildfänge halten.
Wir haben noch keine so nervöse, aufmerksame und "freche" (ich vermeide das Wort 'aggressiv' bewusst) Schlangenart wie diese erlebt, man kann diese durchaus mit noch etwas mehr durchdrehenden, juvenilen Savu-Pythons vergleichen.
Wobei die juvenilen "Nautas" schon einen Schlag nervöser, agiler und aggressiver sind als die adulten Tiere.
Es empfiehlt sich wie bei den Chondropythons, nur am Tage im Terrarium zu "arbeiten" oder zu hantieren - und selbst dann noch mit Bedacht - es ist beachtlich, wie weit die Tiere nach vorne schnellen können.
Generell kann man größeren Tieren mehr Ruhe zuschreiben, als den nervösen juvenilen Tieren, den Weibchen mehr Angriffspotential als den Männchen.
Wenn "die Großen" dann jedoch mal nach vorne schnellen, ist es schon beachtlich, was 4 mm Glas doch so alles aushält.....
Und da wären wir beim nächsten Punkt: selbst Tätigkeiten vor dem Terrarium werden beäugt und (besonders von unseren juvenilen Tieren) gerne mal mit "Klong" begleitet. "Klong" ist der Ton, wenn eine Schlange versucht, etwas oder jemanden durch Vorschnellen zu beißen, aber durch 4mm Glas aufgehalten wird.
Das machen diese dann solange, bis man sich aus dem Raum entfernt oder das Terrarium mit einem lichtundurchlässigen Material abdeckt. Letzteres sollte man schon aufgrund der Vermeidung von potentiellen Verletzungen am Maul tun, es wäre also ratsam, immer etwas Passendes zur Hand zu haben.
Diese Eigenart ändert sich aber nach der Fütterung für ein paar Tage, da diese fast ausschließlich im Versteck verbracht werden.

Beim Handling selbst sollte man immer etwas Küchenpapier bereit halten, denn die Tiere neigen fast 100%ig dazu, ein etwas stärker riechendes Sekret zusammen mit Urin abzusondern. Und je größer das Tier, desto mehr Absonderung ;)

Sie bewegen sich nicht ausschließlich in der Dämmerung und nachts, sondern wechseln auch bei Tage oft ihren Platz und könnten auch tagsüber oft problemlos gefüttert werden - auf alle Fälle auch betrachtet.
Jedoch ist eine Dauerbetrachtung wie bei dem grünen Baumpython jedenfalls nicht möglich, da sie tagsüber nicht stets und ständig sichtbar sind, sondern sich meist nur zum "Aufwärmen" präsentativ zeigen. Nautas sind nachts weit aus aktiver, als grüne Baumpythons, das Terrarium wird gerne der Länge und Breite nach genutzt.


Wir machten die Erfahrung, dass diese baumbewohnende Art durchaus auch mal Verstecke am Boden aufsuchten, besonders gerne und oft nach einer Fütterung. Von daher sollte also auch ein ausreichend großes Versteck am Boden mit Optimaltemperaturen angeboten werden (umgedrehte Blumenschale aus Ton bei ca. 30-31°C).

Man kann aber allen ein nervöses Verhalten bei der Fütterung unterstellen. Oft wird nur beäugt, dann nicht genau zugebissen, so daß das Futtertier erst einmal ein paar Sprünge im Terrarium unternimmt.
Es kann manchmal schon eine Weile dauern, bis die Futtertiere geschnappt und umschlungen werden, und dann sollten die Nautas auch nicht mehr gestört werden!

Haltung: Auch wenn es vorwiegend eine arboreale Schlange ist, müssen die Terrarien nicht zwangsläufig höher als breit sein.
Bei Einzelhaltung werden Terrariengrößen von 120 x 70 x 80 cm empfohlen.
Balázs Roland Ferencz empfiehlt weiterhin eine dunklere Rück- und Seitenwand der Terrarien, da diese anscheinend dem Sicherheitsbedürfnis der Tiere entgegenkommt.
Auch wir machten die Erfahrung, dass blickdichte Seiten- und Rückwände die Tiere erheblich ruhiger machten (Quarantäne-Glasterrarien mit Korkplatten versehen).
Das Terrarium sollte mehrere Ablagen enthalten, welche in diversen Höhen angebracht mit Verstecken versehen sind.
Die bevorzugten Temperaturen sind lt. eigenen Beobachtungen ca. 30-31°C am Tage, wobei diese nur in einem Teil des Terrariums vorherrschen sollten, es sollte auch ein Bereich mit etwas kühleren Temperaturen bereit gestellt werden.

Deren "Winterzeit" ist von Juli bis September, ab Dezember beginnt die heisse "Regenzeit", diese geht bis Mai/Juni.
Eine ausführliche Klimatabelle inkl. Erklärung finden Sie hier!

Damit ergeben sich folgene Empfehlungen zur Temperatur:
Oktober bis Juni: tags 30-32°C, nachts 24°C
Januar bis Mai sind die regenreichsten Monate im Jahr

Juli bis September: tags 28-30°C, nachts 23°C
auch wenn im Habitat so gut wie kein Regen fällt, ist das Klima dennoch feucht, da die geographische Lage auch ohne Niederschlag LF-Werte zwischen max. 90% und min 50% am Tage erzeugt. Für Halter bedingt dieses, dass nur die Temperaturen angepasst werden müssen.

Auswertungen der Klimatabellen ergaben weiterhin, dass die Temperaturen ab 9 Uhr morgens ansteigen, von 12-17 Uhr die Höchstwerte erreichen und ab 18 Uhr schon wieder auf unter 27°C abfallen.

Beleuchtung: 12 - 14 Std. tägl.
empfohlen: zusätzlich UV-Licht bzw. Tageslicht zur besseren Ausleuchtung der Farbanteile. UV-Licht/Tageslicht ist nicht lebensnotwendig, es verbessert bei bestimmter Farbtemperatur (ca. 6500 Kelvin) nur das äußerliche Erscheinen in positiver Weise.
 
Futter:  Nager, Säugetiere, Vögel, als Jungtiere auch Baumfrösche oder ähnliches.
Im Terrarium Nagetiere, wie Mäuse oder Ratten entsprechender Größe, wobei die Beute - gemessen am Körperumfang der Tanimbars - recht groß sein darf.
Achtung: bei Jungtieren gab es, laut B. R. Ferencz, kanibalistische Erfahrungen, daher Einzelhaltung im juvenilen Alter nötig!

Winterruhe: Keine.
Die Tages- und Nachttemperaturen sind von Juli bis September im Habitat um 2°C geringer als sonst, sowohl tags als auch nachts. Daher sollte in der "Winterzeit" die Temperatur im Terrarium angepasst werden.
 
Verpaarung: Die Vermehrung von Morelia nauta ist sicherlich das Schwierigste, was sich auch an den Nachzuchtraten bemerkbar macht. Mir sind nur fünf Fälle bekannt, die Tanimbar-Pythons nachgezogen haben: VPI (Dave Barker)/USA, Nick Mutton/USA, Corinne Bürchler/CH, Balász Roland Ferencz/HU und ein Halter in Kanada. In Deutschland gab es meines Wissens nur einmal ein Hybrid-Gelege (Morelia nauta x Morelia sp. cheynei).
Nick Mutton führte 2004 im Internet eine Umfrage durch, dessen Ergebnis zu diesem Zeitpunkt ganze 25 Nachzuchten auf dem amerikanischen Kontinent war (Quelle: B.R. Ferencz 2007).
Nicht nur, dass die Tiere schwieriger zur Paarung zu stimulieren sind (was meiner Vermutung daran liegt, dass es Wildfänge sind und deren Aklimatisierung länger braucht als die Aufzucht von Nachzuchten), so sollen auch anscheinend die Schlupfraten nicht immer optimal sein (Quelle: B.R. Ferencz 2007).

Generell werden im Herbst die Temperaturen und die Luftfeuchtigkeit veringert (was den geringeren Niederschlag in der Tanimbar-Region zu dieser Jahreszeit simmulieren soll). Spitzenwerte sind nicht unähnlich in den restlichen Monaten, jedoch dauern die Tageshöchstwerte nicht so lange an.

Eine Verpaarung findet dann meist im Zeitraum Oktober bis Januar statt und daraufhin sucht das Weibchen erst kältere Zonen, später sehr warme Regionen (mit Temperaturen über 35°C) auf. Die Tragzeit beträgt erfahrungsgemäß ca. 90 Tage.
Die Gelegegröße variiert, die vorhandenen Erfahrungsberichte deuten auf eine Anzahl von 10 bis 23 Eier hin, wobei diese sehr klein sind (5-6 cm lang und knappe 4 cm im Durchmesser). Eigene Angaben erfolgen zu gegebener Zeit.

Die Inkubation erfolgt bei Python-typischen Parametern.

 
Zusammenfassung:

Tanimbar-Pythons sind in der Terraristik recht selten vertreten. In Europa gibt es gerade mal ein paar Leute, die diese Tiere halten, von Zucht soll noch nicht mal die Rede sein. Selbst in Amerika sind diese Tiere sehr selten und auch hier sind gerade mal eine handvoll Züchter vertreten. Wir haben zum Beispiel ganze zwei Jahre nach goldenen Tieren gesucht, und konnten die Suche nur deswegen einstellen, weil wir einen Importeur fanden, der uns solche Tiere extra besorgte. Was sicherlich nicht im Sinne der Natur ist und auch für uns mit erheblichem Risiko verbunden war (parasitäre und bateriologische Folgebehandlungen, Eingewöhnung, Fressfestigkeit etc.)
Erst langsam kommt das Interesse zu dieser Art auf. Verständlicherweise sind daher Informationen zu Tanimbars rar gesät und Erfahrungswerte noch nicht in Massen vorhanden.
Allein deswegen ist diese Schlange kein Tier für einen Einsteiger, da somit eben helfende Literatur oder Ansprechpartner fehlen oder zumindest recht dünn gesäht sind.
Hinzu kommt, dass sich die Haltung aufgrund ihrer doch etwas zügellosen Art schwieriger gestaltet als z. B. bei einem normalen Teppichpython. "Nautas" kann man durchaus in die Kategorie "garstig" und/oder "schnappig" packen, ohne den Tieren dabei ungerecht zu werden.
Ob beim Sprühen, Füttern oder Säubern, oft wird dieses mit Argusaugen beobachtet und mit mindestens einem Beißversuch quittiert. Gerade auch hier scheinen die Weibchen definitiv hervorzustechen, die Männchen kann man schon fast wieder als "artig" bezeichnen!
Juvenile Tiere, die mal gerne auch mehrmals in die Terrarienfrontscheibe hacken, wenn man am Terrarium nebenan hantiert, das ist durchaus als "normal" anzusehen.
Doch diese Art ist faszinierend und in Anbetracht des bedrohten Habitats ist die Haltung und Zucht dieser Spezies sicherlich ein interessantes Projekt. Wir versuchen uns besonders auf die etwas selteneren, goldenen Tiere zu konzentrieren und diese nachzuziehen.



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