Schlangen
· Home
Boas
· Boa constrictor
· Boa imperator
· Regenbogenboa
Pythons
· Königspython
· Teppichpython
· Dschungel-Teppich.
· Bredl Python
· Grüner Baumpython
· Tanimbar-Python
· Savu-Python
· Tigerpython
Nattern
· Kornnatter
· Treppennatter
· Königsnatter
Sonstiges
· Foto-Galerie
· Allgemein-Wissen
· Abzugeben

Technik
· Terrarienbau
· Terrarientechnik
· Zubehör & Tricks
· F.A.Q.

Gesundheit
· IBD
· Bakterien
· Parasiten
  · Allgemein
  · Endoparasiten
  · Ektoparasiten
  · Diagnose
  · Begriffslexikon
· Wissenswertes
· Taxonomie "Boidae"

Sonstiges
· Ärzte & Züchter
· Bücher
· Futtertierzucht
· Kleinanzeigen
· Podcast
· Downloads
· Kurioses

Interaktiv
· Medusa-Forum
· BMI-Datenbank
· Gästebuch
· Suchfunktion
· News & Newsletter
· Kontakt & Impressum

Was sind Parasiten, warum sind sie so gefährlich?
Wie vermehren sie sich, wie befallen sie die Wirtstiere und welche Unterschiede gibt es?

Ein bischen Grundlagenwissen sollte man sich schon aneignen, daher eine kleine Einleitung zu Parasiten.
Ich werde mich hauptsächlich auf Schlangenparasiten spezialisieren, andere Parasiten, die ausschliesslich Echsen, Agame oder Schildkröten befallen, werden hier nicht erklärt. Jedoch können die erklärten Parasiten auch bei anderen (Terrarien-)Tieren vorkommen. Oft in veränderter Form.

Parasiten kennt eigentlich jeder, die berühmte Zecke oder die Milbe auf jeden Fall.
Es gibt aber auch einzellige Parasiten, die man nicht mit blossem Auge, sondern erst nach mikroskopischer Untersuchung feststellen kann.
Ebenso unterscheiden sie sich in der Wirkung: manche Parasiten sind eigentlich nur lästig, manche verursachen einfachen Durchfall, manche können tödlich sein. Hauptsächlich findet man Parasiten bei Wildfängen, da diese natürlich in dem natürlichen Lebensraum der Schlange weit aus öfter anzufinden sind und die Schlange nicht beim Buschdoktor nach "Antibiotika" klingeln kann. Wenn sich die heimische Nachzucht nachts mit Parasiten unterhält, deutet das dagegen oft auf eine unsaubere Haltung (nicht persönlich nehmen, damit kann auch der Vorbesitzer gemeint sein) oder fehlender Quarantäne bei Neuzugängen hin.
Oft ist die Quelle des parasitären Befalls garnicht da zu vermuten, bzw. man denkt an diese Quelle garnicht: Futtertiere!
Angefangen von den kleinen Heimchen bis hin zur ausgewachsene Ratte sind auch oft diese "verseucht" und befallen das sonst so rein gehaltene, heimische Terrarium.
Darüberhinaus gibt es sehr wirtsspezifische Parasiten. Diese sind also auf ein Wirtstier spezialisiert (z.B. bei vielen Bandwürmern), und richten bei anderartigen Wirten keine oder nur geringe Erkrankungen vor. Ein Wurm, der einen Wirt befällt, muss für dieses Tier nicht schädlich sein, da der Wurm eben wirtsspezifisch sein kann und das befallene Tier gar nicht sein eigentliches parasitäres Ziel ist. Für andere befallene Tiere kann dieser Parasit jedoch unter Umständen tödlich sein.

Gerade bei Würmern ist zu beachten, dass der Befall mit diesen sehr differenziert zu betrachten ist, denn Würmer gibt es in vielen Lebenszyklen. So gibt es das Ei-Stadium, die Larvenstadien (oft bis zu drei Häutungen / Larvenstadien) und das Stadium des adulten, geschlechtsreifen Wurms. In manchen Fällen ist dieses wichtig zu wissen, da ein Befall mit Larven nicht immer pathogene (erkrankende) Auswirkungen hat, oft dient das befallene Tier nur als Zwischenwirt.

Manche dieser Parasiten sind auch für Menschen gefährlich, so dass bei Befall nicht nur die Schwierigkeit darin besteht, die Schlange wieder gesund zu pflegen, sondern sich selbst und seine Familie zu schützen. Denn oft reicht ein einfacher Kontakt um sich zu infizieren (z.B. bei Capilillarien / Haarwürmern oder Pentastomiden / Zungenwürmern). Parasiten werden auf zwei Arten übertragen (besser: der Wirt infiziert sich auf zwei Arten):

Der Kopf eines Bandwurms mit dessen Hakenkränzen, mit denen er sich in die Darmschleimhaut festbeisst
auf dem direkten und / oder indirektem Wege. Direkt bedeuted, das der Parasit oral oder durch direkten Kontakt (von parasitär"-verseuchtem" Kot, Wasser oder Boden) in oder an den Wirt gelangen.

Direkte
Übertragungen erhöhen immer die Gefahr der Ansteckungen des Restbestandes. Bei Parasiten mit direktem Übertragungsweg sind daher immer höchste Hygienevorschriften zu beachten! Nicht nur um sich selbst zu schützen, sondern nicht zusätzlich als parasitärer Botschafter auf die anderen Terrarientiere zu dienen. Parasiten mit direktem Übertragungsweg treten nicht so häufig auf, haben aber oft schwere Krankheitsbilder als Folge. Wichtig ist hier besonders, die Quarantäne-Vorschriften zu beachten! Ratsam ist es, die befallenen Tiere immer als letztes täglich zu versorgen, so dass die Gefahr der Übertragung auf die anderen Tiere gemindert wird.

Indirekt bedeuted, dass mindestens ein Zwischenwirt benötigt wird, sei es ein Beutetier oder diverse Mücken- und Fliegenarten, die dem Parasit als Zwischenwirt dienen (und sich auch in diesem zu einem neuen Lebensstadium weiterentwickeln). Die Zwischenwirte sind ebenfalls auch sehr spezifiziert von dem Parasit ausgewählt. Meist passen diese Zwischenwirte in das Beutespektrum des Endwirtes, allein um dadurch die Chance des Parasits zu erhöhen, in den Endwirt zu gelangen.
Meist ist dieser Zyklus sogar ein immer wiederkehrender Kreislauf: Eier des Wurms befinden sich z.B. an einer Pflanze im See und heften sich an die Haut eines Frosches (Zwischenwirt), der an der Pflanze vorbeischwimmt. Zecken-artig bohren sie sich durch die Haut und entwickeln sich dort zur Zyste.
Wird dieser Frosch Beute eines anderen Tieres (Endwirt), bohren sich die Zysten nun durch die Darmwand in den Blutkreislauf des eigentlichen Wirts und gelangen z.B. zur Leber. Dort findet die eigentliche Entwicklung zum Wurm statt, der wieder Eier legt und diese über die Galle wieder in den Darmtrakt gelangen.
Gelangt die Ausscheidung wieder in das Wasser, fängt alles wieder von vorne an. Ist ein Terrarientier mit Parasiten befallen, die alleinig einen indirekten Infektionsweg besitzen, deutet dieses oft auf hygienische Mängel in der Haltung hin (es sein denn, es ist ein Neuerwerb, dessen Befall noch in der Quarrantäne bemerkt wird). Hier sollte man selbstkritisch seine Haltungsbedingungen überprüfen.

Man unterscheidet weiterhin zwischen Ekto(Aussen)- und Endo(Innen)parasiten:

Nematoden im Magen einer Schlange ( http://www.herps.co.uk/ )

 Ektoparasiten
 
Ein ektoparasitärer Befall ergibt seltenst einen schlimmes Krankheitsbild. Meist sind dieses Milben, Zecken, seltener Blutegel, Fliegenlarven oder Mücken. Sie sind einfach nur lästig. Jedoch können in der freien Natur Mücken Überträger von Endoparasiten sein. Und Milben stehen in Verdacht Überträger von dem Schlangen-AIDS (IBD) zu sein und verursachen bei schwerem Befall eine Amnämie, bei der die Schlange so geschwächt wird, dass sie nur noch steif und langsam umher kriechen kann. Auch können Milben auf Menschenhaut Dermitis hervorrufen.
Milben sind wie schon erwähnt meist ein Signal für unsaubere Haltung.

 Endoparasiten
 
Diese kleineren Viecher verursachen schon schlimmere Krankheiten. Endoparasiten werden nochmals in Protozoen (Einzeller) und Würmer (Helminthen) unterteilt (es gibt noch weitere Untergruppen, diese unterlasse ich jetzt mal in der Aufzählung). Jedoch muss man beim Tierarzt nicht erschrecken, wenn man den einen oder anderen Endoparasit findet, denn viele gehören zu einer nätürlichen Darmflora. Bei etlichen Endoparasiten, gerade bei denen, die im Verdauungstrakt zu finden sind, kommt es auf die Häufigkeit der Parasiten an, nicht auf das eigentliche Vorkommen.

Hier klassifiziert man die Endoparasiten folgend (nicht vollständig, sondern nur ein Ausschnitt für den Berich der Terraristik bedeutsamen Teil):

Protozoen (Einzeller) sind im Blut oder im Verdauungstrakt zu finden, einige können aber auch direkt Organe befallen. Sie sind dann in Lunge, Niere, Leber und allen anderen Organen zu finden. Es gibt sehr vielfältige Krankheitserscheinungen, ausgelöst durch unterschiedliche Erreger. Wir werden hier ein paar Protozoen mit Erscheinungsbild nennen, die bei Reptilien vorkommen können.
Im generellen sind dieses vier Gruppen, die dabei Beachtung zu finden haben, die Geißeltierchen, die Amöben, die Kokzidien und die Wimperntierchen.

Neben den einzelligen Parasiten gibt es die Würmer, die wahrscheinlich zumindest vom Namen her bekannter sein dürften.

Mikrofilarie
Nematoden (Fadenwürmer) sind eine Gruppe von spindel- bis fadenförmigen Würmern mit ungegliedertem Körper. Ihre Größe variiert von wenigen mm bis zu 1 m. Die Entwicklungszyklen der getrenntgeschlechtlichen Fadenwürmer sind uneinheitlich. Es gibt Arten, die einen Zwischenwirt befallen, solche, die in zwei Zwischenwirten parasitieren, und Vertreter, die sich ohne Wirtswechsel entwickeln. Einige Arten rufen beim Menschen sehr unterschiedliche Krankheitsbilder aller Schweregrade hervor. Die häufigste Fadenwurminfektion ist die weltweit verbreitete, durch den Madenwurm (Enterobius vermicularis) verursachte, harmlose Madenwurmkrankheit.
Trichinen haben in den vergangenen Jahrzehnten in mehreren Ländern Europas zu Epidemien geführt. Die anderen, insbesondere die Gruppe der Filarien, sind fast nur oder ausschließlich in den Tropen oder Subtropen verbreitet und führen dort zu Erkrankungen von erheblicher epidemiologischer Bedeutung. Bei den Nematoden gibt es Arten, die Eier in die Aussenwelt abgeben, aber auch Eier im Darm des Wirts ablegen und dort die Nachkommen ausschlüpfen. Im Gegensatz dazu sind auch lebendgebärende Nematoden vorhanden, die entweder Eier legen, aus denen bei dem Geburtsvorgang Larven schlüpfen, oder gar selbst Larven gebären.
Die Eier, welche in die die Aussenwelt abgeben wurden, sind allgemein die resistenter als die lebendgeborenen, zarten Larven. Selbst Klärwerke waren erst nach Installation bestimmter zusätzlicher Anlagen (Ultraschall) gegen diese hartnäckigen Eier gewappnet.

Trematoden (Saugwürmer) sind in den meisten Fällen eher unproblematisch, sie können nur bei eher wenigen Unterarten ernsthafte Erkrankungen führen. Wenn sie dann aber mit den gefürchteten, aber eben selteneren und schwerer zu bekämpfenden Unterarten befallen sind, ist die Bekämpfung aufgrund der Widerstandsfähigkeit schwer. Entweder ist das Wirtstier hohen Dosen von Arzneien ausgesetzt, oder die Zerfallsprodukte der toten Pasrasiten vergiften das Reptil. Aber die Häufigkeit, mit den schwerwiegenden Arten befallen zu werden, kann man doch in der Praxis eher vernachlässigen.

Pentastomiden (Zungenwürmer) sind meiner bescheidenen Meinung nach die gemeinsten.
Nicht nur, dass sie in der Terraristik noch weitgehend unbekannt sind und unvermutet sind (und damit natürlich die Gefahr besteht, bei einer Diagnose übersehen oder fehldiagnostiziert zu werden), sind die Behandlungserfolge gerade bei schwerem Befall oder bei schon geschwächten Tieren nicht gerade erfolgsversprechend. Zusätzlich ist diese Art auch für den Menschen gefährlich und eine Infektion des Reptils bedarf höchster Quarantäne- und Sicherheitsmaßnahmen.

Kratzer sind biologisch recht interessant, da diese eine recht einmalige Ursprungsweise haben (Millionen von Jahren alt, erst aber später zum Parasit entwickelt) und auch ansonsten spezifische Eigenheiten (z.B. dopplet gekapselte Eier). Ihre Gefährlichkeit ist die mit Hakenwürmer gleichzusetzen. Damit ist eine Heilung und Behandlung eigentlich recht erfolgsversprechend, vorausgesetzt, sie werden rechtzeitig erkannt. Denn auch ihr Vorkommen ist in der Terraristik eher selten und damit weniger zu vermuten.

Mikrofilarien sind eigentlich keine eigene Gruppe innerhalb der Würmer, da diese einfach nur ein Larvenstadium bestimmter Nematoden (den Filarien) bezeichnen. Da sie zur Infektion bestimmte Zwischenwirte benötigen (Mücken), kommen sie sehr selten im Terrarium vor, können aber bei sehr starkem Befall tödlich wirken.

 Hinweis in eigener Sache
 
Wir werden Diagnosen und Prognosen erklären, aber keine detaillierten Therapien.
Auch wenn uns Behandlungsmethoden, Dosierungen und medikamentöse Hinweise zu den einzelnen Krankheitsbildern und Medikamenten vorliegen, können wir keine Verantortung für eventuelle Fehlbehandlung und Fehldiagnosen übernehmen.
Die Dosierung hängt in jedem Fall von der Stärke des Befalls und vom Zustand des Reptils ab und kann nie generallisiert werden. Auch ist die Aktualität diverser Forschungsergebnisse und medikamentöser Behandlungsweisen unterschiedlich gestreut.
Daher sind Therapien ausschliesslich mit einem Fach-Tierarzt abzustimmen! Die Betonung liegt hierbei auf "Fach"!

Literaturhinweise:
Grundriß der Parasitenkunde - UTB-Verlag, ISBN 343720424-6
H. Mehlhorn, G Piekarski, 3. Auflage
Parasiten bei Reptilien und Amphibien - Bede-Verlag, ISBN 3927997668
Eric M. Rundquist
Atlas der Reptilienkrankheiten, Band 1 und 2 - Bede-Verlag, ISBN 3931792978
Lowell Ackermann
Krankheiten der Heimtiere, Schlütersche Verlag, ISBN 3877065279
Karl Gabrisch, Peernel Zwart
Parasiten des Bluts bei Reptilien, Veröffentlichung aus "Der praktische Tierarzt" Feb. 2002
F. Mutschmann

www.medizininfo.com
www.biotop.at
www.gevo-diagnostik.de
www.terra-exotica.net
www.m-schweiger.com
www.gesundheit.de
www.tierklinik.de
www.ride4fun.de
www.herps.co.uk
www.biosci.ohio-state.edu/~parasite/
www.uni-kiel.de/zoologie/parasito/reptil/anthelmi/


 


© Manfred Dorka, 1998 - 2010 --- Keine Verwendung, Vervielfältigung, Veröffentlichung oder auszugsweise Zitierung von Text-Inhalten
oder Bildmaterial ohne besondere, schriftliche Erlaubnis des Webmasters!