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Was ist IBD?
Stand: Januar 2010
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Grundsätzliches zu IBD
 
IBD ist die Abkürzung für die englische Bezeichnung "Inclusion Body Disease", zu deutsch: Einschlusskörperchen - Krankheit.
Dieses ist eine Viruserkrankung, welche auch umgangssprachlich "Schlangen-AIDS" oder auch "Boa-AIDS" genannt wird.

IBD ist ansteckend (hoch ansteckend ist aufgrund der Tatsache, dass Tiere auch längere Zeit nebeneinander leben können, ohne sich nachweisbar zu infizieren, nicht ganz richtig), verläuft immer tödlich (wenn man den Zeitraum außer Acht lässt) und zurzeit unheilbar.
Zuerst trat diese Erkrankung in den USA auf, aber im Verlauf dann auch in Afrika, Australien und Europa.
Gerade die Erkrankungen in Australien, einem Staat, der schon 30 Jahre Einfuhrverbote auf sämtliche Tiere praktiziert, sind rätselhaft, wenn man illegale Importe ausschließen will.
Denn man muss eines wissen: IBD kommt hauptsächlich in der Terraristik bzw. in Gefangenschaft vor, das Vorkommen in der Natur ist bis heute nicht geklärt! Es ist zwar öfters vorgekommen, das bei einem als "Wildfang" deklariertem Tier auf dem Sektionstisch IBD festgestellt wurde, es bleibt jedoch die Frage offen, ob sich diese Tiere schon in der Natur oder erst während der Gefangenschaft mit dem Virus infizierten.

Die ersten Fälle wurden Mitte der 1970er bei Pythons festgestellt, bei Boas erst Anfang der 1980er.

Man geht noch heute davon aus, dass IBD ursächlich auf einem Retrovirus basiert. Retroviren gehören zu der Familie der RNS-Viren, welche eine sehr komplexe Innenstruktur aufweisen und das körpereigene Immunsystem vor fast unlösbaren Aufgaben stellt.
Normalerweise erkennt der Körper bzw. das Immunsystem Viren anhand deren Form und veranlasst die Produktion sogenannter Antikörper, deren Aufgabe nichts anderes ist, den Virus "aufzufressen". Einige Retroviren haben aber leider die Unart an sich, sich stetig zu verändern und somit dem Körper, der gerade erst ein Antikörper gebildet hat, keine Chance zu geben, diesen zu bekämpfen. Da die Bildung neuer Retroviren schneller von Statten geht als die Bildung immer wieder neu angepasster Antikörper, ist die körpereigene Abwehr immer im Hintertreffen und so was wie machtlos. Ein dauernder Kreislauf, bei dem das Immunsystem ständig hinterher hinkt.



Wo kommt IBD vor und was für Folgen hat IBD?
 
Die häufigsten Diagnosen findet man bei Boiden - und hier besonders bei Boinae. Es wurden u. a. Fälle bei Eunectes murinus (Grüne Anakonda), Boa constrictor, Epicrates striatus (Haiti Boa), Python mol. bivitattus (dkl. Tigerpython), Python mol. molurus (heller Tigerpython), Python reticulatus (Netzpython), Python regius (Königspython), Morelia sp. variegata (Teppichpython) und Morelia sp. spilota (Diamantpython). Es sollen jedoch auch schon Fälle bei Bothriechis marchi (Palmenlanzenotter), und Lampropeltis getulus (Königsnatter) festgestellt worden sein (Dr. E. Jacobson, 2009).
Wie man sieht, betrifft es hauptsächlich Boiden (Riesenschlangen) aus allen Erdteilen. Über die Jahre hinweg sind auch Boas quantitativ häufiger befallen und aus eigener Erfahrung und Berichten ist IBD zu heutiger Zeit in Deutschland und den USA verhältnismäßig eher ein Problem bei Boas, insbesondere bei Boa constrictor.
Die Auswirkungen und Symptome sind aber bezogen auf die Unterfamilien ganz andere.
Bei Pythons sind die offensichtlichen Symptome weniger stark ausgeprägt als bei Boas, dafür sterben Pythons im Vergleich zu Boas verhältnismäßig schnell. Während Boas teilweise Jahre mit dem Virus im Körper symptomfrei leben können, ohne dass die Krankheit ausbricht, überleben sie diese Krankheit auch nach dem Ausbruch der Infektion noch Monate.
Pythons sterben dagegen innerhalb weniger Wochen.

Boas zeigen ihre Infektion meist in Fehlern im zentralen Nervensystem. So sind sie dann im fortgeschrittenen Stadium nicht mehr in der Lage, sich selbstständig aus der Rückenlage wieder in die Bauchlage zu drehen und/oder es treten Verminderungen oder gar totale Verluste von Reflexen ein. Weiterhin ist das "Stargazing " ein bedeutsames Symptom, ebenso wie eine Verdrehung der Pupillen (siehe Fotos unten). Gelegentlich kommt es auch zu Sarkom-Bildungen, wobei es nicht geklärt ist, ob diese


hier eine Boa, die es nicht mehr schafft, sich selbstständig aus der Rückenlage in die Bauchlage zu bewegen
eine unmittelbare Folge der Erkrankung sind oder einfach nur durch die Schwächung des Immunsystems auftreten.
Andere Anzeichen sind chronisches Erbrechen, extremer Gewichtsverlust, Infektion der Atmungsorgane, Häutungsprobleme (durch die Unfähigkeit, durch kontrollierte Bewegungen die alte Haut abzustreifen) als auch Schlaffheit/Trägheit.
Juvenile Boas scheinen besonders zu Beginn der Erkrankung letztere Anzeichen - die sogenannte "schlaffe Lähmung" - häufig zu zeigen.

Boas (die Pythons haben eigentlich öfter neurologische Symptome, die Boas eher andere Erkrankungen) müssen nicht unbedingt die neurologischen Symptome zeigen, es treten auch manchmal nur körperliche Gebrechen zutage.
Neben den schon o. g. körperlichen Symptomen (abgesehen dem chronischen Erbrechen) ist auch oft eine Stomatitis zu diagnostizieren, weiterhin neigt das Tier zu übertriebenen Reflexbewegungen oder Verwirrung (durch voranschreitende Erblindung verstärkt).
Es endet mit dem Verlust der Fähigkeit, sich kontrolliert zu bewegen, was im Endstadium bedeutet, dass das Tier weder Beute schlagen, töten oder gar fressen kann.

Auch kann IBD in einigen Fällen zu einer chronischen Darmerkrankung führen. Die Entzündung eines oder mehrerer Darmabschnitte - hervorgerufen durch eine gestörte Immunreaktion - kann teilweise zwischen einigen Wochen bis mehreren Monaten dauern, bis das Tier stirbt.

Wie schon oben angedeutet, ist es nicht unüblich, dass bei einer Boa IBD festgestellt wurde (wie, dazu kommen wir später), aber das Tier keinerlei Symptome zeigt - und das über Jahre hinweg. Solche Fälle sind mehrfach dokumentiert und zeigen, dass bei Boas das Vorhandensein von Einschlusskörperchen nicht unbedingt mit dem Ausbruch der Krankheit an sich einhergehen muss.
Da das Tier aber eine Ansteckungsgefahr für alle anderen Tiere bedeutet (selbst für fremde Tiere, stellen Sie sich vor, Sie besuchen einen guten Freund mit Reptilien!), sollten Sie es von anderen Tieren getrennt halten, nach Möglichkeit in einem separaten Raum oder an einen anderen Halter, der vielleicht nur einzelne Tiere halten möchte, mit Hinweis auf die Erkrankung abgeben.
Die oft "verwendete" Möglichkeit der Euthansie ist natürlich die härteste Alternative und sicherlich bezüglich Bestandsschutz möglicher anderer Bestandstiere die effektivste, aber sie verstößt auch gegen das Tierschutzgesetz.
Denn auch wenn man bis heute nicht wirklich etwas Genaues über den Weg der Ansteckung weiß, deutet vieles darauf hin, dass auch der Mensch selber Überträger sein kann. Also nicht nur Ausscheidungen wie Urin und Kot und Speichel, der direkte Kontakt zwischen zwei Tieren, das Trinken aus einem Wasserbehältnis. Natürlich sind auch die ungeborenen Embryonen im infizierten Mutterleib betroffen.
Vor einigen Jahren nahm man noch an, dass die Schlangenmilbe für die Übertragung verantwortlich ist.
Ich denke, dass das sicherlich ein Weg sein kann, da dieser Ektoparasit schließlich vom Blut des Wirts lebt und bei Vergesellschaftungen natürlich den Virus auf ein zweites Tier übertragen kann. Jedoch halte ich die Häufigkeit, in denen IBD und gleichzeitig ein Milbenbefall festgestellt wurde, eher für ein grundsätzliches Hygiene-Defizit beim Halter als denn als alleinigen Grund oder gar Quelle der Krankheit.
Außerdem wurde die Schlangenmilbe bei Weitem nicht bei jeden IBD-Fall gefunden - was aber wiederum, aufgrund der längeren Inkubationszeit von IBD, auch nichts heißen muss, der Milbenbefall kann schon längst erfolgreich behandelt worden sein, bis die Virenkrankheit erkenntlich ausbricht. Aber Untersuchungen dazu wurden noch nicht mal gestartet, geschweige denn dass es dazu vertrauensvolle Veröffentlichungen dazu gibt.


Die geschilderten Verhaltensmuster und Auffälligkeiten sind KANN-Symptome, keine MUSS-Symptome, d. h. nicht alle müssen vorhanden/diagnostizierbar sein, auch die Intensität kann variieren.
So ist bis dato noch nicht geklärt, warum gesund erscheinende Tiere auf einmal Virusbestandteile im Blut haben ("verdächtige bzw. positive" Ausstriche) und kranke Tiere mit deutlichen Symptome nicht immer (es gibt auch "falsch negative" Befunde, wenn im Blut nichts nachzuweisen ist und das Tier trotzdem IBD hat).


Was tut man gegen IBD?
 

Sarkom bei einer Boa
Die Universität von Florida / Abt. Veterinärmedizin arbeitete an einem pharmazeutischen Test zur Erkennung von IBD, jedoch gab es einige Probleme, so dass die Forschung komplett neu ansetzen muss. Die IDDEX-Laboratorien in den USA hatten schon sehr früh ein Interesse daran, einen solchen Test zu entwickeln, haben dieses Vorhaben aber dann aufgrund "mangelnder Vermarktungsfähigkeit" wieder fallen lassen.
In Amerika scheint es auch Gang und Gäbe zu sein, "billige" Schlangen, wie einen Königspython, zusammen mit einem vermeintlich infizierten Neuzugang zu halten, und dann einen evtl. Krankheitsverlauf bei dem billigeren Königspython festzustellen. Von dieser makaberen Diagnose möchten wir uns natürlich distanzieren, es kann nicht Sinn sein, ein Tier für ein anderes sterben zu lassen, egal welchen Marktwert es hat. Diese Methode ist auch nicht unbedingt
zuverlässig, denn um den Königspython zu infizieren, muß die Boa das Virus ausscheiden. Im Moment ist nicht bekannt, ob diese Virusausscheidung bei einem infizierten, aber symptomfreien Tier (und nur solche werden ja gekauft) überhaupt stattfindet, so dass man sich nach einem solchen Test auch in falscher Sicherheit wiegen kann. Es ist eher wahrscheinlich, dass das Virus in solchen Phasen in körpereigenen Organen inaktiv versteckt bleibt und gar nicht ausgeschieden wird.
Selbst auf deutschen Foren (reptilien.de/reptilienserver.de) sind schon Anfragen gewesen, die nach "zur Verfügung-Stellung von zu vielen Tieren aus privaten Haltungen" fragten, und die Vermutung aufkommen lassen könnten, ähnliche Verfahrensweisen sind auch schon in Deutschland üblich.
Ansonsten bleibt jedem nur die Einhaltung von Quarantäne und Quarantäne-Zeiten, bei Boas ist diese mit mehreren Bluttests oder Leberbiopsie zu begleiten, um IBD so weit wie möglich ausschließen zu können.


Fazit:
 
IBD ist war vor einigen Jahren ein Thema, welches sich langsam in den Brennpunkt der öffentlichen Diskussion schob. Es folgte ein kurzer Hype, gefolgt von abnehmendem Interesse.
Heute wird IBD unserer Meinung nach viel zu vernachlässigt und verharmlost, getreu dem Motto "mich trifft das nicht, das trifft nur andere". Wenn es denn aber mal getroffen hat, ist Holland in Not, und das macht die Krankheit so fatal.
Das mag auch daran liegen, dass sicherlich einige Tiere sterben, ohne dass IBD diagnostiziert worden ist oder eine eventuelle Diagnose nicht großartig publiziert wurde (ist ja auch nicht meldepflichtig!).
Immer mehr setzt sich die "Ersatz-Haltung" durch: stirbt ein Tier, wird nicht nach Gründen gesucht, sondern nach Kleinanzeigen für einen Ersatz. Das macht die ganze Sache nicht gerade einfacher.
Inoffizielle Meldungen, Berichte und Gespräche sagen uns aber, dass IBD alles andere als eine Randerscheinung ist, und gerade bei Boas ist es heute schon fast schwieriger, Züchter ohne anheftenden IBD-Gerüchten zu finden als mit.

Problematisch ist aber zur Zeit sicherlich die medizinische Unterstützung, die manchem einfach zu wenig ist. Das betrifft Ursachenforschung, Behandlung als auch Routinen und Medikamente zur Diagnose.
Alle drei genannten Punkte befinden sich trotz jahrelanger Forschung noch immer am Ausgangspunkt, ohne groß weitergekommen zu sein.
Betrachtet man diese Krankheit wirtschaftlich, wird sich die "professionelle" Fürsorge wohl erst ändern, wenn entweder genügend Geldgeber gefunden worden sind oder sich eine Entwicklung, Herstellung und Vermarktung von Medikamenten wirtschaftlich für ein Pharma-Unternehmen lohnt.
Bis dahin hat man sich weiten Teils auf die gegebenen, nicht immer 100%igen Bluttests oder Aussagen von Züchtern und Verkäufern zu verlassen. Und damit, das sollte jedem klar sein, auf die Einhaltung der im 3. Teil beschriebenen Maßnahmen zur Eindämmung dieser Krankheit.

 
Hier der schon oben erwähnte Effekt, dass die Augen jeweils andere Reaktionen hervorrufen.
Hier ist die rechte Pupille des Auges mehr geweitet als die linke, was ein Anzeichen für IBD sein kann. (Bitte Foto anklicken für eine Vergrößerung)

Für die zur Verfügung-Stellung der Fotos herzlichen Dank an Dr. Elliott Jacobson , University of Florida


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