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Bakterielle Erkrankungen
Wie kommt es dazu und wie bekämpft man sie richtig?


Dieser Bericht - welcher das Thema nur einführend kurz anreißen kann - gliedert sich in 5 Teile:

1. Was ist eine bakterielle Erkrankung?
Was sind die Ursachen, wie sind die Begleitumstände und wie bekämpft man solche allgemein?
2. Was sind Bakterien?
Welche Unterschiede gibt es, welche Gemeinsamkeiten?
3. Was sind Antibiotika?
Welche Unterschiede gibt es in Wirkung, Aufbau und Verträglichkeit?
4. Fast-Schlusswort: ein paar Sätze in eigener Sache
5. Welche bakteriellen Erkrankungen gibt es?
Die häufigsten bakteriellen Erkrankungen in der Schlangenhaltung


  Ursachen, Verlauf und Erkennung bakterieller Erkrakungen  
Ich falle gleich mit der Tür ins Haus und schreibe das Wichtigste vorweg, bevor man es überliest:
Bei einer bakteriellen Erkrankung gibt vieles zu beachten, Befallsart, Befallstärke und Medikamentation können unterschiedliche Behandlungsweisen von Nöten machen. Generell sind aber zwei Begriffe wichtig:

Antibiogramm
und Resistenztest (was das Gleiche ist).


Alles andere ergibt sich aus der Durchführung eines solchen Tests.
Denn bakterielle Erkrankungen werden in fast allen Fällen mit Antibiotika behandelt und der Erfolg der Behandlung mit solchen Medikamenten setzt unter anderem voraus, dass man das richtige Medikament einsetzt. "Irgendein" nicht auf Resistenz getestetes Antibiotikum, dass dann möglicherweise überhaupt keine Wirkung gegen den Befall zeigt (wenn man nicht gerade ein Glücksgriff getätigt hat), führt zu einer stärkeren (je nach Medikament sogar zu einer starken) Belastung des Stoffwechsels, folglich hat das Tier unter mehr Stresssymptomen zu leiden und kann den Krankheitsverlauf dann sogar trotz (oder sogar erst recht wegen der) "Behandlung" tödlich enden lassen!

Man sollte von solchen Resistenztests nur absehen, wenn ein Tier entweder schon sehr stark erkrankt ist und ein mehrtägiges Warten auf ein Ergebnis dieses Testes nicht möglich und / oder ein Antibiotikum derart neu ist, das Resistenzen so gut wie ausgeschlossen sind.

Wie kommt es zu einer bakteriellen Erkrankung?
Unsere Erfahrung und jede Menge Literatur zeigt, dass bakterielle Erkrankungen meist eine Folge von Stress, Trauma (langer Transport), falscher Haltung und/oder Fütterung und Folgen von Verletzungen anstatt von bakteriellen Anhäufungen sind.

Denn oft sind bakterielle Erkrankungen sogenannte Sekundär-Erkrankungen, die sich eher darauf begründen lassen, dass durch sogenannte Primär-Erkrankungen der Immunhaushalt derart geschwächt wurde, dass nun eine bakteriell-pathogene (=krankeitserzeugende) Ausbreitung ohne bzw. mit wenig körperlicher Gegenwehr erst möglich wird.

Primär-Erkrankungen (z. B. durch falsche Haltung) bedeuten "Stress". In allen Fällen ist ein geschwächtes Immunsystem durch Stress die Ursache - nicht das reine Vorhandensein von Bakterien.
Auf andere Ursachen gehe ich in den Einzelbeispielen (bakt. Krankh.) ein.

Etliche bakterielle Befunde mit geringem oder sogar mittlerem Befall (hängt vom Umstand der Erkrankung ab) kann man durch optimalste Haltungsbedingungen oder durch kurzfristiges Umstellen der Haltungsbedingungen (z. B. Erhöhen von Temperaturen, auch nachts) und somit ohne Medikamentation in den Griff bekommen. Erst wenn der Labor-Befund beweist, dass die Konzentration des Befalls (zu) hoch ist oder die optimierten Bedingungen keinen Genesungserfolg aufweisen, sollte medikamentös eingegriffen werden.
Denn eines steht fest: eine Antibiotika-Behandlung ist durch die Vergabe selbst (orales Zwangs"füttern" des Medikaments oder subcutane Verabreichung), als auch durch die dann körperliche Belastung (einige Medikamente / Wirkstoffe sind sehr belastend für Niere und andere Organe), ebenfalls ein Stressfaktor. Den es zu vermeiden gilt, wenn es möglich ist.

Wie erkennt man nun bakterielle Erkrankungen?
Oft verhält sich das Tier auffällig, verändert Verhalten und / oder es kommen Verhaltensmuster dazu. Im Falle einer fortgeschrittenen Lungenentzündung wird z. B. oftmals der nach oben gestreckte Hals beobachtet, das Aufreißen des inzwischen verschleimten Mauls oder die Suche nach besonders warmen Zonen. Pfeifgeräusche beim Atmen sollten jeden Halter veranlassen, zum Telefon zu greifen und einen Termin bei einem "fach"kundigen Tierarzt zu machen (die Erfahrung zeigt leider, dass nicht-"fach"kundige Tierärzte überhaupt nicht hilfreich sind, ggfs. sogar schaden können!).
Bei Verletzungen oder bei Maulfäule wird man schnell Eiter erkennen, die Nutzung der betroffenen Körperregionen wird vermieden.
In anderen Fällen einer Erkrankung wird das Tier entweder besonders aggressiv oder besonders lethargisch, in fast allen Fällen wird das angebotene Futter verweigert. Das Ausscheiden von übelriechenden und/oder schleimigen Exkrementen kann ebenfalls ein Hinweis auf eine bakterielle Erkrankung sein (Achtung: aber auch auf eine endo-parasitische).

Verlauf einer bakteriellen Erkrankung/Behandlung
Erkennt und behandelt man die Erkrankung nicht, ist das Ergebnis recht eindeutig: Diese endet meist sehr schnell mit dem Tod des Tieres.

Erkennt man die Erkrankung und steuert schnell gegen, wird sich das Tier anfangs noch gegen die Behandlung wehren.
Oft hört dieses wehrhafte Verhalten im Verlaufe der Behandlung auf und man ist geneigt zu denken, das Tier merkt, dass man ihm was Gutes will. Jedoch ist nur die geschwächte körperliche Verfassung und die Konditionierung der Vorgehensweise Grund dafür.
Antibiotika sind je nach Wirkstoff mehr oder minder Organ-belastend, neben der eigentlichen Erkrankung arbeitet der Organismus nun u. a. aufgrund der Medikamentation auf Hochtouren.
Was bei - und nicht ganz unwichtig auch nach - der Behandlung zu beachten ist: später unter der Rubrik Antibiotika (Generelles zur Vergabe) nachzulesen.

  Bakterien und deren Einteilung und Wirkungsweise  
Bakterien sind ebenfalls Mikroorganismen wie auch z. B. Viren, Pilze oder Protozoen (Einzeller). Sie unterscheiden sich aber z. B. im Vergleich zu Viren durch deren Größe (Bakterien sind größer) und der Fähigkeit, sich selbst zu reproduzieren.
Man unterteilt Bakterien nach morphologischen (Morphologie = ist die Lehre von der Struktur und Form der Organismen) Aspekten und nach deren Form und Eigenschaften.

Es gibt kugelige, stäbchenförmige oder schraubenförmige Bakterien, grampositive oder gramnegative (was das nun wieder ist, erklären wir gleich). Damit ist hoffentlich jedem klar, dass unterschiedliche Beschaffenheit, Wirkung und Lebensweise spezieller Gegenmittel bedarf, und die Vergabe eines Breitband-Antibiotikum ohne Untersuchung auf den eigentlichen Erreger fast nie Sinn macht.
Sie kaufen sich doch auch keine Alu-Felgen für ihr Auto, ohne zu wissen, ob die überhaupt passen!

Generell kann man Bakterien folgend unterteilen:

1. Bakterien mit dünner Zellwand (meist gramnegativ -> violett/blaue Einfärbung)
2. Bakterien mit Kapseln (meist grampositiv -> rote Einfärbung)
3. Bakterien ohne feste Zellwand

Erstere beiden Gruppen lassen sich aufgrund ihrer Zellwandbeschaffenheit nach der Gram-Färbung des dänischen Arzt und Bakteriologen Hans Christian Gram bestimmen.

Dieser entwickelte gegen Ende des 19. Jahrhunderts ein Verfahren zur Unterscheidung verschiedener Bakterien unter dem Mikroskop anhand ihrer Zellwandeinfärbungen, da verschiedene Bakterien unterschiedlich auf die Färbung reagieren.
Die Einteilung erfolgt dann in sogenannte Gram-positive Bakterien, welche violett/blau gefärbt sind und in Gram-negative Bakterien, welche rot gefärbt sind.
Heute ist es möglich, innerhalb weniger Minuten anhand eines Abstriches das Gramverhalten der Bakterien zu bestimmen.
Gerade bei Infektionskrankheiten ist dieses sehr hilfreich, da Gram-positive und Gram-negative Bakterien unterschiedlich auf Antibiotika reagieren.
Diese Methode ermöglicht es besonders in Fällen, in denen akuter Handlungsbedarf besteht und keine Zeit bleibt, um mehrere Tage auf die definitive Keimbestimmung zu warten, sofort mit einer antibiotischen Therapie zu beginnen.

Nicht das reine Vorhandensein von Bakterien ist also der Auslöser solcher Krankheiten, sondern die Schwäche, ein bakterielles Gleichgewicht im Körper aufrecht zu erhalten (=Immunschwäche).
Auch nicht die Anhäufung von Bakterien, denn diese ist meist Folge der Immunschwäche.

Es gibt auch nicht nur "schädliche" Bakterien, sondern auch nützliche, teilweise sind diese sogar lebensnotwendig. Escherichia coli ist ein Beispiel für solch einen Fall.
Denn diese Bakterienart ist immer im Darm von Menschen und Tieren vorhanden und für eine regulierte Verdauung mit notwendig. Im Darm trägt es neben einigen positiven Merkmalen (Vitamin K-Bildung) auch dazu bei, dass andere Keime im Darm an deren Ausbreitung gehindert werden.
Das gleiche Bakterium wirkt in der Lunge dagegen sehr pathogen.

Eine einzelne Auflistung relevanter Bakterien und deren pathogene Erscheinungsbilder findet man hier.



 


     

Neben eigenen Erfahrungen und aus der Praxis Erlerntem gibt es natürlich noch ein paar Literaturhinweise:

Kompendium der Reptilienkrankheiten - Schlütersche -Verlag, ISBN 3877064698, Peter H. Beynon, Martin P.C. Lawton, John E. Cooper

Atlas der Reptilienkrankheiten (Teil 1 und 2)- Bede Verlag, ISBN 3931792951 & 393179296x, Dr. L. Ackermann, Dr. D. Schmidt, Dr. J. Schmidt
Biotechnologische Produktion von Antibiotika - Schwerpunktthema August 2004
Onmeda-Medizin und Gesundheit
Glossar Molekulargenetik
CliniPharm
www.medizinimdialog.com (Dienst inzwischen eingestellt)

Die im obigen Banner abgebildeten Bilder der Medikamente Baytril und Marbocyl unterliegen dem Copyright der Herstellerfirmen Bayer und Vetoquinol, der Hintergrund des Banners (Bakterium S. aureus) mit freundlicher Genehmigung von niaid.nih.gov




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